Die erste Begegnung
Kennengelernt haben sich Natascha und Alireza im September dieses Jahres. Die Studentin der Künste in sozialen Veränderungsprozessen absolviert zur Zeit ihr Praxissemester im Café why not?. Im Rahmen dieser Tätigkeit bietet sie verschiedene Kunstworkshops an. Der attraktive Iraner arbeitet ebenfalls regelmäßig im Café, übernimmt Schichten hinterm Tresen, bereitet Kaffee und kleine Snacks zu.
„Natascha ist mir sofort aufgefallen“, beginnt er mit einem Lächeln auf den Lippen zu erzählen, „ihre offene, freundliche Art hat mir von Anfang an zugesagt.“ „Ich habe Anfang September begonnen, im why not? zu arbeiten. Alireza und ich haben uns jeden Tag gesehen. Mir haben seine selbstgemachten, bunten Armbänder sehr gefallen und mir kam die Idee, mit einer kleinen Gruppe solche Armbänder herzustellen. Alireza hat mir dabei geholfen“, ergänzt Natascha.
„So sind wir uns näher gekommen, haben dann auch unsere Telefonnummern ausgetauscht und uns privat, also außerhalb des why not?, getroffen“, erläutert Alireza.
Der Beginn einer Liebe
„Bei mir gibt es einen Schlüsselmoment in dem ich gemerkt habe, dass ich dabei bin, mich zu verlieben. Das war, als ich das dialogische Malen angeboten habe. Beim dialogischen Malen geht es vor allem um nonverbale Begegnung auf dem Papier. Also um soziale Interaktion und aufeinander reagieren durch den Einsatz von Farben. Alireza und ich saßen sehr nah beieinander, als ich begann, meine Hand abzumalen. Alireza hat dann seine Hand neben meine gelegt und ich habe seine Hand abgemalt. In diesem Moment waren wir uns sehr nahe“, erklärt Natascha.
„Bei mir war es Liebe auf den ersten Blick. Ich habe Natascha gesehen und dachte nur: Wow!“, sagt Alireza mit Nachdruck, und gibt Natascha einen Kuss auf die Wange.
Kulturelle Unterschiede und sprachliche Barrieren
Alireza lebt jetzt seit zwei Jahren in Deutschland. Er kommt aus einer völlig anderen Kultur als Natascha.
„Im Iran ist man nicht frei, das Land ist eine Diktatur, man muss immer vorsichtig sein, was man sagt. Und in dem Land kann man sich zum Beispiel nicht offen gegen den Islam entscheiden oder auch nur dementsprechende Äußerungen von sich geben. Darüber hinaus ist es nicht erlaubt, öffentlich zu musizieren oder zu feiern, schon gar nicht Männer und Frauen gemeinsam. Ich hätte in meinem Heimatland keine Perspektive entwickeln können, obwohl ich sogar die Universität besucht habe“, erklärt Alireza. „Später habe ich als Friseur in meinem eigenen Salon gearbeitet, bis ich dann 2015 geflohen bin.“
„Ich bin immer wieder schockiert, wenn Alireza von seinem Heimatland erzählt. Schockiert darüber, was dort alles verboten ist, Sachen, die hier in Deutschland so selbstverständlich sind“, sagt Natascha, dabei wird ihre Stimme ein wenig lauter.
Natascha hilft Alireza dabei, in Deutschland, in Hamburg anzukommen. „Mir ist es sehr wichtig, dass Alireza sein Deutsch verbessert. Deswegen sprechen wir ganz, ganz viel und ich korrigiere ihn, wenn er Fehler macht.“
Kann sich die 31-Jährige vorstellen, Persisch zu lernen? „Ja, das würde mich schon reizen. Aber es ist wichtiger, dass Alireza erstmal Deutsch lernt. Nur so kann er sich richtig in unsere Gesellschaft integrieren. Oft verständigen wir uns auch mit Händen und Füßen“, erklärt Natascha, lacht und streicht sich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Dann erklärt sie weiter: „Ich würde gar nicht unbedingt sagen, dass die Sprache ein Hindernis darstellt. Man muss Geduld haben. Beide müssen bereit sein, Zeit zu investieren. Und auch mal den Google Translator zu Rate ziehen. Dann klappt das schon.“
Alireza ist passionierter Musiker, kann in Deutschland seiner Leidenschaft nachgehen, was im Iran nicht erlaubt war. Er spielt in den persischen Bands Coca und Opatan. Hier in Hamburg ist es Alireza möglich, öffentliche Auftritte zu geben und Natascha begleitet ihn oft zu diesen Konzerten. „Für Alireza ist die Musik das Wichtigste in seinem Leben. Ich komme gerne mit zu seinen Auftritten, das ist immer total spannend. Denn durch seine Musik findet ein kultureller Austausch statt. Und durch das Kochen. Wir kochen oft persische Gerichte zusammen. Das Essen, vor allem das gemeinsame Essen spielt in seiner Kultur eine viel wichtigere Rolle als bei uns. Das gefällt mir. Ich habe das Gefühl, dass unsere Beziehung meinen Horizont erweitert. Dieses Gefühl ist sehr wertvoll und schön“, merkt Natascha an.
Was wir aneinander schätzen
„Ich mag ihre Offenheit und ihre liebevolle und fürsorgliche Art. Und dass sie so süß ist“, erzählt Alireza mit einem Lächeln.
„Wir haben einfach Spaß zusammen, lachen viel, machen Witze. Und wir nehmen es mit Humor, dass wir nicht dieselbe Sprache sprechen und es manchmal schwer ist, sich zu verständigen. Also kommunizieren wir oft auch nonverbal durch Gesten und Mimik“, führt Natascha weiter aus.
„Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich Natascha kennenlernen durfte. Sie ist eine absolute Bereicherung für mein Leben!“, sagt Alireza und man kann die Begeisterung in seiner Stimme hören. „Mir geht es genauso. Wir sind sehr verliebt“, erwidert Natascha, drückt Alirezas Hand und gibt ihm einen Kuss.